Wie man Alternativtexte schreibt, die tatsächlich funktionieren

Und warum dies für die digitale Inklusion wichtig ist.

 

Alternativtext (Alt-Text) ist eine schriftliche Beschreibung, die einem Bild in digitalen Inhalten hinzugefügt wird. Er dient als Ersatz für das Bild, wenn dieses nicht sichtbar ist: für blinde oder sehbehinderte Nutzer, die auf Bildschirmleseprogramme angewiesen sind, für Menschen, die Bilder deaktiviert haben, um Datenvolumen zu sparen, und in Situationen, in denen ein Bild nicht geladen wird. Einen guten Alternativtext zu schreiben, ist eine der einfachsten und wirkungsvollsten Maßnahmen, um Ihre digitalen Inhalte barrierefreier zu gestalten. Dennoch wird diese Vorgehensweise oft missverstanden.

 

Warum Alternativtexte wichtig sind

Wenn ein Screenreader auf ein Bild ohne Alternativtext stößt, überspringt er es entweder komplett oder gibt etwas wie ‘Bild’ oder eine nichtssagende Dateikennung aus. Für Nutzer, die auf diese Technologie angewiesen sind, geht der Bildinhalt somit verloren. Ist das Bild rein dekorativ, mag das keine Rolle spielen. Vermittelt es jedoch Informationen, erzählt es eine Geschichte oder ist es Teil der Navigation, stellt das Fehlen von Alternativtext ein echtes Hindernis für das Verständnis dar.

 

Die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) fordern, dass alle nicht-dekorativen Bilder einen Alternativtext haben. Dies ist keine technische Empfehlung, sondern ein grundlegender Standard für digitale Inklusion.

 

Das Kernprinzip: Beschreibe den Zweck, nicht das Aussehen.

Der häufigste Fehler beim Schreiben von Alternativtexten ist die Beschreibung des Aussehens eines Bildes anstatt dessen Aussage. Alternativtexte sollten die Frage beantworten: Was bewirkt dieses Bild hier? Was würde ein sehender Nutzer beim Betrachten verstehen oder empfinden, was einem sehbehinderten Nutzer ohne Beschreibung entgehen würde?

 

Stellen Sie sich ein Bild von zwei jungen Menschen vor, die lächelnd an einem Laptop sitzen. Ein unpassender Alternativtext wäre: ‘Zwei Personen an einem Laptop’. Ein besserer Alternativtext wäre: ‘Zwei junge Menschen arbeiten gemeinsam an einem Projekt und wirken engagiert und positiv.’ Die zweite Version vermittelt die eigentliche Aussage des Bildes – Inklusion, Engagement und Zusammenarbeit zu kommunizieren – und nicht nur dessen wörtlichen Inhalt.

 

Praktische Richtlinien für das Schreiben effektiver Alternativtexte

Halten Sie den Alternativtext kurz, aber vollständig. Die meisten Alternativtexte sollten unter 125 Zeichen lang sein. Bildschirmleseprogramme kürzen längere Beschreibungen oft. Falls ein Bild eine ausführlichere Erklärung benötigt, fügen Sie eine Bildunterschrift hinzu oder beschreiben Sie es im umgebenden Text.

 

Beginnen Sie nicht mit ‘Bild von’ oder ‘Foto von’. Bildschirmleseprogramme geben bereits an, dass es sich um ein Bild handelt. Der Alternativtext sollte daher nicht mit dieser Formulierung beginnen.

 

Fügen Sie den im Bild enthaltenen Text hinzu. Wenn ein Bild Text enthält – beispielsweise ein Poster, ein Schild oder ein Screenshot mit Text –, muss dieser Text im Alternativtext (Alt-Text) enthalten sein. Bildschirmleseprogramme können in Bilder eingebetteten Text nicht vorlesen.

 

Dekorative Bilder sollten leer bleiben. Wenn ein Bild rein dekorativ ist und keine Information liefert – beispielsweise ein Hintergrundmuster, eine Trennlinie oder ein generisches Stockfoto, das nur der Optik dient –, verwenden Sie ein leeres Alt-Attribut (alt=""). Dadurch wird der Screenreader angewiesen, das Bild vollständig zu überspringen, was dem korrekten Verhalten entspricht.

 

Seien Sie bei Diagrammen und Grafiken präzise. Bei Datenvisualisierungen sollte der Alternativtext die wichtigste Erkenntnis oder den Trend vermitteln und nicht nur den Diagrammtyp beschreiben. Schreiben Sie beispielsweise statt ‘Balkendiagramm der Website-Nutzer’: ‘Balkendiagramm, das einen Anstieg der Website-Nutzer um 401.030 zwischen 2023 und 2025 zeigt.’

 

Der Kontext ist entscheidend. Dasselbe Bild benötigt je nach Kontext möglicherweise unterschiedliche Alternativtexte. Ein Foto eines Rollstuhlfahrers auf Ihrer ‘Über uns’-Seite (‘Mitglied unseres Teams vor unserem Büro’) erfordert einen anderen Alternativtext als dasselbe Foto in einem Artikel über barrierefreies Gebäudedesign („Person im Rollstuhl auf einer barrierefreien Eingangsrampe“).

 

Mach es dir zur Gewohnheit

Das Hinzufügen von Alternativtexten sollte zum Standardprozess beim Veröffentlichen digitaler Inhalte gehören – egal ob Artikel, Social-Media-Posts, Präsentationen, E-Mail-Newsletter oder Dokumente. Die meisten Content-Management-Systeme, Social-Media-Plattformen und Office-Anwendungen bieten mittlerweile ein Feld für Alternativtexte beim Hochladen von Bildern. Dieses Feld hat seinen Sinn. Nutzen Sie es!.

 

Guter Alternativtext ist eine kleine Maßnahme mit großer Wirkung. Er bedeutet, dass junge Menschen, die einen Screenreader verwenden, Ihre Inhalte gleichberechtigt mit allen anderen nutzen können. Genau darum geht es bei digitaler Barrierefreiheit.